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SUDECK DYSTROPHIE
Wer bezahlt eigentlich eine erforderliche, stationäre
Rehabilitationsbehandlung? Manche (wenige) Autoren Schreiben den Begriff Sudec k Dystroph ie auch zusammen (Sudeckdystrophie).
Der Fall: Ein 37 jähriger Bauarbeiter verletzte sich bei der Arbeit am 15.8.2005 in Form einer ausgedehnten Schürfwunde am handnahen Unterarm. Etwa 4 Tage später schwillt die Hand einschl. Handgelenk sehr stark an und verfärbt sich rot/bläulich, verbunden mit sehr starken Schmerzen, die sich bei Berührung der Hand ins Unerträgliche steigern. Bemerkenswert ist in diesem Falle, daß das 1. (akute) Stadium zum Zeitpunkt des Photos (17.05.2007) noch immer vorliegt ! ----------------------------- Die Sudeck-Dystrophie (gebräuchlicher und bekannter ist die Bezeichnung Morb us Sudeck, neuerdings als kom plexes reg ionales Schmerzsynd rom Typ I bezeichnet) kommt relativ selten vor, Schätzungen zufolge etwa 5000-10000 mal/Jahr. Dies hat zur Folge, daß nicht wenige Ärzte diese gravierende Schmerzerkrankung kaum oder nicht kennen bzw. je gesehen haben. Im Jahr 2006 wurden in unserer Klinik 91 (!) Patienten mir dieser Schmerzerkrankung stationär behandelt, Tendenz deutlich steigend, in den ersten 3 Monaten 2007 waren es bereits 38 und in der Schmerzambulanz stellten sich 2006 über 60 Fälle vor. Diese Zahlen dürfte in Deutschland, ja ganz Europa wohl keine andere Klinik vorweisen können, entsprechend groß ist die Therapierfahrung. Die Pathogenese
(= Entwicklung einer Dystrophie)
der Sudeck-Dystrophie ist auch heute noch
unbekannt. Die Patienten klagen über einen
diffusen, heftigen
Brennschmerz, ähnlich wie bei einer
Kausalgie
(=
Schmerzen
nach
Nervenverletzung).
Häufig besteht eine
Hyperästhesie
(= gesteigerte
Empfindlichkeit) bis hin
zu
Allodynie
(=
Berührungsschmerzen schon bei leichter, normalerweise
nicht schmerzhafter
Berührung).
Aufgrund der
Zirkulationsstörung sind die betroffenen Partien meist bläulich
livide verfärbt und ödematös
(= aufgequollen)
verändert (siehe Abbildung). Häufig bemerken die Patienten eine erhöhte
Schweißneigung im betroffenen Körperbereich. Beteiligte
Gelenk
e versteifen oft und führen so zu einer Behinderung.
1. Akutes
Stadium
2. Dystrophisches (= durch
Mangel- oder Fehlernährung bedingte Störungen und Veränderungen
einzelner Körperteile betreffendes)
Stadium
3. Stadium
der Atroph
ie Die Zeitdauer der Stadien 1+2 ist sehr individuell. Bei manchen Patienten tritt das Stadium 3 schon nach mehreren Monaten ein, bei anderen hält das Stadium 1 länger als ein Jahr an (siehe Bild oben). Besonders gravierend ist die Sudeck Dystrophie im Bereich der Hand, weil er dort häufig zur Invalidität führt. Im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) tritt die Sudec k Dys trophie bevorzugt im Bereich des Fuß es auf, seltener im Bereich der Hüfte oder des Knie s. Wie wird die Diagnose einer Sudeck Dystrophie gestellt? · Typische Vorgeschichte: (meist, aber nicht zwingend) nach einer Verletzung oder auch nach einer Operation · Körperliche Untersuchung - Inspektion (= Betrachtung des Patienten zur Feststellung des körperlichen Zustandes und eventueller krankhafter äußerer Veränderungen) und Palpation (= Tastuntersuchung der Körperoberfläche zur Beurteilung von Konsistenz, Elastizität, Beweglichkeit, Schmerz empfindlichkeit usw.) · Bereits im Frühstadium kann eine Skelettszintigraphie einen Hinweis auf diese Er krankung geben. · Röntgenuntersuchung - Auf dem Röntgenbild sieht man eine typische, fleckige, diffuse Knochenentkalkung ähnlich wie bei der Osteoporose (= Systemerk rankung des Skeletts mit Verminderung der Knochen masse). Nahezu zwingend ist der direkte Vergleich (gleicher Strahlengang) mit der gesunden Seite. Behandlung der Sudeck Dystrophie: 1) Systemisch (= den Gesamtorganismus betreffende) medikamentöse Behandlung:
2) Lokale (= örtliche) medikamentöse Therapie bei der Sudeck Dystrophie:
3) Therapeutische Lokalanästhesie Die konsequente
Anwendung der therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
führt bei der Sudeckdystrophie zu beachtlichen
Erfolgen. Im Bereich der Beine (einschließlich Hüfte) kommen bei dieser Dystrophie ebenso kontinuierliche Blockadetechniken** zur Anwendung: · Hüfte: Kontinuierliche Blockade des P lexus lumbal is mittels N. femoralis Katheter**
· Oberschenkel,
Knie · Unterschenkel (hinten und außen) sowie Fuß: Kontinuierliche Blockade des N. ischiadicus** Auch die
Nerven
femoral
is und
ischias
bzw. ischiad
icus führen vegetative Fasern, so daß die erwünschte
Sympathikolyse
(= gefäßerweiternde
und damit durchblutungssteigernde Wirkung)
ebenfalls eintritt. Daß serielle bzw. kontinuierliche Nervenblockaden bei dieser Kran kheit sehr hilfreich sind, ist auch schon seit längerem in der Fachliteratur gut dokumentiert. Z.B. Lehmann, K.A.: postoperative Schmerztherapie, WVGmbH Stuttgart, 485-93 (1993). - Murray, P., Floor, K., Atkinson, R. E.: Continuous axillary brachial plexus blockade for reflex sympathetic dystrophy - Anaesthesia 50 (7), 633-5 (1955). - Ribbers, G. M., Geurts, A. C., Rijken, R. A., Kerkkamp, H. E.: Axillary brachial plexus blockade for the reflex sympathetic dystrophy syndrom, Int. J. Rehabil. Res 20 (4), 371-80 (1977). Auch in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation sind zur Behandlung beim Komplexen Regionalen Schmerzsyndrom (Sympathische Reflexdystropie) Nervenblockaden aufgeführt - http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll-na/036-006.htm Begleitend hat sich auch eine Infusionsserie mit Lidocain 2% (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) als hilfreich erwiesen. Dabei werden unter Pulskontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte. Man kann Lidocain auch serienmäßige mittels intraarterieller Injektionen (= Spritzen in eine Schlagader) in die A. femoralis (= Beinschlagader) oder A. brachialis (= Schlagader des Armes) verabreichen, so z.B. 2-3 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Dabei gelangt das örtliche Betäubungsmittel in die sog. Endstrombahn und führt dort zu der gewünschten Gefäßerweiterung (Sympathi kolyse) bei gleichzeitiger Schmerzlinderung. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische (= Teil des unwillkürliche Nervensystem betreffende) Nervenfasern verlaufen. So wird z.B. in der Neuraltherapie aus diesem Grunde bewußt um das Gefäß herum infiltriert. Manche Autoren empfehlen sog. Sympathikus-Blockaden mit Guanethidin. Der Wirkstoff findet auch zur Behandlung eines Bluthochdrucks Verwendung. Der Wirkmechanismus beruht auf der Verminderung der Freisetzung des Botenstoffs Noradrenalin aus den Endigungen der Nervenzellen. Vorteil dieser intravenösen Blockademethode (= das Medikament wird in ein zum Herzen zurückführendes Gefäß eingespritzt, wobei aber z.B. der Arm vorübergehend abgestaut wird) ist, daß die Wirkung bis zu 72 Stunden anhalten kann. Nachteil ist das gegenüber den Nervenblockaden deutlich erhöhte Behandlungsrisiko. 4) Andere, zusätzliche Maßnahmen zur Therapie der Sudeck Dystrophie: · Akupunktur (Schmerzakupunktur) · Als physikalische Therapiemaßnahme eignet sich bei dieser Dystrophie die Ultraschallbehandlung (Thomalske 1991). · Auch eine Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) kann sehr hilfreich sein, gleiches gilt für die Hochtontherapie. · Ganz wichtig sind bei der Sudec k Dys trophie therapiebegleitende, intensive krankengymnastische Übungsbehandlungen (auch Lymph drainagen) und eine funktionelle Ergotherapie. Die krankengymnastische Übungsbehandlungen dürfen aber nicht schmerzhaft sein, weil sich sonst die Blutgefäße zusammenziehen und damit die lokale Stoffwechselstörung begünstigt wird. Optimal ist die Krankengymnastik, wenn durch die eben beschriebene Blockadebehandlung die Schmerzreizleitung weitgehend ausgeschaltet wird. · Hypnoide (= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson aber auch ein Schmerzbewältigungstraining sind eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Neuerdings führen wir bei der Sudeckdystrophie im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschenkel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im gleichen Rhythmus) Gefäßtraining. Über eine Verbesserung der Durchblutung wird der lokal (= örtlich) gestörte Stoffwechsel optimiert. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken). * Bei der sog.
kontinuierlichen Blockade eines Ner
ven mit Katheter wird der
dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den
betroffenen Ner ven
eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche
Kanüle hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der
Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach
Abklingen der vorangegangenen Dosis, das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches
Betäubungsmittel)
völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur
Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter
hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das
örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert,
dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der
Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische
Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde
Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält,
ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung
auch die sog. vegetativen Ner
ven betroffen sind, woraus
eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung und damit Optimierung
des lokalen
(= örtlichen)
Stoffwechsels (besonders wichtig bei der Sudeckdystrophie)
resultiert. Die invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerztherapie setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in wenigen therapeutischen Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim. Hier (einfach anklicken) gelangen Sie zur E-Mail einer Patientin, die mit den beschriebenen Methoden behandelt wurde und lesen Sie diesen Brief eines Tennisspielers, dessen Sudeck ebenfalls erfolgreich behandelt werden konnte: www.sudeck-dystrophie.eu/anhang-5 .. Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken). Dialysepflichtig? Ganz in unserer Nähe befindet sich für unsere Patienten ein kompetentes Dialyse-Zentrum: www.nephroteam.de
Haftungshinweis: Wenn Sie eine genaue Anfahrtsbeschreibung ab Ihrem Wohnort wünschen, klicken sie hier.
- Für Sie waren wir sehr fleißig - --------------------------------------- http://www.sudeck-dystrophie.eu <strong>Sudeckdystophie</strong> Aktualisiert >23.01.2008</> |